Calling the Glacier ____________________________________________ Ein interaktives Kunstprojekt des Klangkünstlers Kalle Laar

Gletscher als sensitive Indikatoren des Klimawandels:
Abfluss des Vernagtferners, Ötztaler Alpen, Österreich

Dr. Ludwig Braun, Direktor der Kommission für Glaziologie, Bayerische Akademie der Wissenschaften, München www.glaziologie.de


Seit dem Jahr 1600 wird der Vernagtferner sorgfältig beobachtet, da er in einigen Vorstößen ins Rofen Tal eisgedämmte Seen gebildet hatte, die öfters mit desaströser Wirkung in bewohnte Gebiete ausbrachen. Die erste detaillierte Karte des Vernagtferners wurde im Jahre 1889 von S. Finsterwalder mit einer Genauigkeit gezeichnet, die modernen Karten vergleichbar ist. Seither wird der quantitative Rückgang des Gletschers aufgrund der Klimaveränderungen wird beobachtet.

Jährliche Massenbilanzen des Vernagt Gletschers werden von der Kommission für Glaziologie seit 1964 erstellt, und seit 1974 wird an der ‘Pegelstation Vernagtbach’ neben anderen Daten auch der genaue Abfluss des Gletschers erfasst. Dieses Hochalpine Bassin umfasst eine Fläche von 11,4 km2, in einer Höhe von 2640 bis 3630 m. Seit 1964 ist die Gletscherfläche von 10 km2 (88%) auf 8 km2 (70%) geschrumpft. 

Die drastischen Veränderungen der Abschmelzbedingungen demonstrieren den Einfluss der globalen Erwärmung in diesem Gebiet, und um den ‘Footprint’ dieses globalen Experimentes auch in Zukunft beobachten zu können, müssen diese Beobachtungen fortgesetzt werden. Es zeigt sich auch, dass die derzeit großen Wasserzuflüsse aus den hochalpinen Regionen drastisch abnehmen werden, sollten die Gletscher verschwinden. Die meisten der alpinen Flüsse werden dann in heißen Sommern mit wenig Niederschlag austrocknen – eine Situation, wie sie sich heute bereits in der Po Ebene in Italien beobachten lässt.


Website Kommission für Glaziologie
Expeditionen zum Vernagtferner